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Will ich das wirklich? – Imitation oder intrinsische Motivation?

Heute habe ich einen interessanten und – wie ich finde – erleuchtenden Podcast von myMONK gehört. Erleuchtend nenne ich immer die Dinge, die „mir aus der Seele sprechen“. Also Aussagen, Fragen, Sprichwörter etc., die eigentlich von mir sein könnten, die ich aber nie in Worte hätte fassen können (Konjunktivus verspuhlitus* – gut, dass ich Deutsch LK hatte).

In der Folge wurde Lars Amend interviewt. Ehrlich gesagt kannte ich ihn davor gar nicht. Von dem Film „Dieses bescheuerte Herz“ hatte ich zwar schon gehört (nicht gesehen). Ich wusste aber nicht, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelte, die er erlebt und dazu ein Buch verfasst hat (das dann auch verfilmt wurde).


Imitieren wir nur jemanden, anstatt wir selbst zu sein?


Lars Amend sagte etwas „Erleuchtendes“, das mich weiter beschäftigte und worüber ich auch gleich etwas schreiben wollte. Ich hoffe, dass ich das jetzt so wiedergeben kann – am Ende geht es mir aber nur um eine sinnhafte Zusammenfassung: Er sprach davon, ob wir Dinge machen, weil wir sie wirklich machen wollen oder weil wir jemanden oder etwas imitieren wollen (um letztendlich dafür von wieder jemandem gemocht zu werden). Als Beispiel nannte er Hippie Mädchen, die alle irgendwie gleich aussehen. Oder warum muss man für die Selbstfindung nach Indien reisen? Oder warum muss man Yoga machen, um runterzukommen? Machen wir das, weil wir auch selber darauf gekommen wären, oder tun wie es, weil es halt gerade so on vogue ist. Er verurteilt diese Dinge nicht, regt aber zum Reflektieren an: Imitieren wir nur jemanden, anstatt wir selbst zu sein?


… etwas zu tun, was wirklich aus mir, aus meinem Inneren herauskommt und daraus auch angetrieben wird.


BÄM – BÄM – BÄM! Sofort notierte ich mir die Frage „Imitation oder ….?“ in mein schlaues Buch (da kommen Zitate, Sprichworte etc. rein, die mich „treffen“). Ich googelte „selbst sein Substantiv“, um die Frage zu vervollständigen. Es kam an irgendeiner Stelle weiter unten „Selbstbewusstsein“. Aber das war es nicht, wonach ich suchte. Irgendwas mit „Motivation“ – ja! Motivation! Aus mir kommend, INTRINSISCH. Ich finde das Wort zwar so unspirituell, so psychologisch, aber das trifft es nun mal. Also: „Imitation oder intrinsische Motivation?“ Mit der intrinsischen Motivation meine ich, etwas zu tun, was wirklich aus mir, aus meinem Inneren (Synonym: meinem Herzen, meiner Seele) herauskommt und daraus auch angetrieben wird. Was ich nicht in irgendeinem Instagram-Feed gesehen habe, was mir niemand geraten hat oder was ich tue oder auch nicht, um zu rebellieren.

 

Und dann folglich auch die schreckliche Frage, vor deren Beantwortung ich beim Stellen selbiger schon Angst hatte: Was in meinem Leben habe ich gemacht, das ich wirklich aus meinem tiefsten Innersten tun oder nicht tun wollte? Ausbildung, Karriere, Hobbies, Freundschaften, Beziehungen – einzelne Sequenzen tauchen vor meinem inneren Auge auf. Soll ich das wirklich alles in Frage stellen?


Dieses Gefühl, etwas machen zu wollen oder auch nicht – ohne dafür eine Gegenleistung, eine Belohnung oder eine Bestrafung zu erwarten.


Nein! Dann säße ich in einem Jahr noch da. Ich glaube, dass wir als Kinder viel aus der „intrinsischen Motivation“ gemacht haben, ohne zu wissen, was das ist. Es hat bestimmt auch viel mit Intuition zu tun, wenn es nicht auch deckungsgleich ist. Dieses Gefühl, etwas machen zu wollen oder auch nicht – ohne dafür eine Gegenleistung, eine Belohnung oder eine Bestrafung zu erwarten. Klar, dann kamen irgendwann die Gesellschaft und ihre Normen dazu und man möchte ja auch nicht unangenehm auffallen. Und ehe man sich versieht, ist man im Wollknäuel von gesellschaftlichen Vorgaben, den (vermeintlichen) Vorstellungen der Eltern, der Kollegen, der Freunde, der eigenen Wünschen und Träumen gefangen und weiß gar nicht mehr, wo das eigentlich angefangen hat und was jetzt noch eigener oder fremder Wille ist.

 

 

Es ist doch auch in gewisser Weise sehr einfach, mit dem Fluss zu schwimmen. Warum denn sein eigenes Ding machen, wenn die Hürden des „eigenen Dings“ so unüberwindbar erscheinenß Das hat ja noch nie einer gemacht – warum sollte ich das jetzt machen und auch schaffen?


Irgendwann kommt der Punkt, an dem geht es nicht mehr darum, abzuschauen, sondern selbst zu gestalten, zu einer Persönlichkeit zu werden: sich selbst.


Und es ist sicherlich auch nicht unüblich oder falsch, den „einfachen Weg“ zu nehmen. Es geht schlichtweg auch nicht anders, weil wir nur so lernen. Als Babys, als Kinder, als Jugendliche schauen wir uns Verhaltensweisen bei anderen (v.a. Älteren) an und imitieren sie. Irgendwann kommt der Punkt, an dem geht es nicht mehr darum, abzuschauen, sondern selbst zu gestalten, zu einer Persönlichkeit zu werden: sich selbst.

 

 

Die Fragen „Wollte ich wirklich Abitur machen? Wollte ich wirklich (das) studieren? Wollte ich wirklich dorthin ins Auslandspraktikum? Wollte ich wirklich diesen oder jenen Weg einschlagen?“, aber auch die banalsten Fragen „Wollte ich wirklich dieses Outfit anziehen (oder habe ich das nur, um anderen zu gefallen)? Wollte ich wirklich mit dem und dem sprechen (weil es mich beruflich weiterbringt), mit dem und dem befreundet sein (weil ich dann zu den Beliebten gehöre)? Mit dem und dem zusammen sein (um zu beweisen, dass auch neun Jahre Altersunterschied funktionieren)? Das essen (weil es gesund ist), das trinken (weil Alkohol ja zum Feiern dazu gehört)? Machen mir Yoga und Meditieren wirklich Spaß (oder macht man das eben gerade so)? Wollte ich den Blogeintrag wirklich so schreiben (oder habe ich auf Leute geachtet, die ihn lesen)?“, aber auch „wollte ich das wirklich spüren (weil man sich in einer Situation wie dieser nun mal so fühlen muss)?“ – die Liste könnte ich beliebig lang fortführen. Natürlich kommen bei mir all diese Fragen trotzdem auf. Zu 100% beantworten werde ich sie wahrscheinlich auch nie können, denn ich spreche heute aus einem anderen Lebensabschnitt als zu den Zeitpunkten – und in zehn Jahren werde ich sie wieder anders sehen.


WILL ICH DAS WIRKLICH?


Aber ich kann den Blick nach vorne, als in die Zukunft, richten und mir zukünftig genaue EINE Frage in vier verschiedenen Versionen stellen: WILL ICH DAS WIRKLICH?

  • WILL ich das wirklich? à wollen oder sollen?
  • Will ICH das wirklich? à ich oder jemand anderes?
  • Will ich DAS wirklich? à das oder auch etwas anderes?
  • Will ich das WIRKLICH? à aus tiefstem Herzen?

Und auf mein Bauchgefühl hören: Das hat mir nämlich schon oft sagen wollen, dass ich etwas NICHT WILL. Ich habe es  abgetan mit Gedanken wie z.B. „doch, du musst nur über deinen Schatten springen“, „du hast noch nicht genug Erfahrung, um das richtig bewerten zu können“, „die anderen sehen etwas in mir, was ich (noch) nicht sehe“, „die anderen wissen schon, was richtig ist, also vertraue ihnen (statt deinem Bauchgefühl)“. Aber irgendwie holt es mich immer ein.

 


Es ist und bleibt ein Weg: MEIN Weg.


Auch die Einstellung (aka Glaubenssatz): „Es gibt nur diese eine Richtung, die richtig ist. Alles, was davon abweicht, bringt dich nicht zum Ziel.“ sollten wir ablegen und stattdessen vertrauen: Der Weg ist das Ziel. Jede Entscheidung, jede Richtung, jeder Richtungswechsel, jeder Umweg und jede Sackgasse sind wichtig und richtig. Nur, weil es noch keiner vor dir getan hat, ist es nicht falsch.

Wie oft habe ich den Satz "bleib dir treu!" auf irgendeinem Aufkleber, in Poesie-Alben oder auf einer Edgarcard gesehen? Was soll ich sagen? Sie haben Recht 😊

 

Es ist und bleibt ein Weg: MEIN Weg. Und dabei kann ich immer nur reflektieren: Imitiere ich noch oder bin ich schon?

 

Disclaimer: Wie immer spiegelt dieser Beitrag meine Ansichten vom Leben wieder und soll weder belehren, noch coachen.

 

Meine Empfehlung: myMONK (Podcast und Blogbeiträge)

 

 

*der heißt natürlich nicht so, sondern Konjunktiv II 😊