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Das Gefühl, nicht genug zu sein

Wer kennt dieses beklemmende Gefühl, nicht genug zu sein, zu tun, zu empfinden? 

 

Ich kenne es: es macht sich ganz breit in meinem Unterbauch, zieht ihn nach innen zusammen, gleichzeitig ziehen meine Schultern  nach oben, vom Kloß im Hals ganz zu schweigen. Das Gefühl, nicht genug zu sein, lässt mich erstarren, lähmt mich. Es kommt gefühlt aus dem Nichts: In der einen Minute war ich noch voller Motivation, Zufriedenheit, Sicherheit in dem, was ich tue - in der nächsten bin ich erstarrt, stelle alles, was ich tue und bin in Frage.

 

Wenn ich zu dem Thema google, tauchen immer Begriffe wie "Selbstzweifel", "fehlendes Selbstbewusstsein" oder "fehlende Selbstsicherheit" auf. Ich klicke das Browserfenster dann oft wieder zu, denn: ich bin doch selbstbewusst und selbstsicher! Wenn ich an jemanden denke, der nicht selbstsicher ist, habe ich sofort folgendes Bild vor Augen: Eine kleine, zusammengekrümmte Person, die nichts sagt und nichts tut, sondern unscheinbar ist, in Selbstmitleid versinkt und darauf wartet, dass die Welt um sie herum von alleine besser wird. Das bin ich nicht! Ich bin eine Macherin, eine, die was bewegt. Eine, die eher laut, statt leise, überschwänglich, statt zurückhaltend ist. Ich bin doch selbstbewusst!

 

Je mehr ich aber darüber nachdenke und schreibe, desto mehr finde ich auch, dass es kein Gegensatz sein muss, wie ich mich sehe und wie ich mich fühle.

 

 

Gerade wir Frauen haben oft das Gefühl, uns extra beweisen zu müssen - vor allem im Job. Wir wollen aus der "Klischee-Rolle" der Frau (emotional, Frauchen hinterm Herd etc.) ausbrechen und taff, stark, bestimmt, souverän sein (oder wirken?).

 

Auch privat wollen wir beweisen, dass wir Familie, Partnerschaft, Haushalt und unsere eigene Verwirklichung locker unter einen Hut bringen - uns das Jonglieren der Herausforderungen und dem damit verbundenen Stress sogar Freude bereitet. Aber wem wollen wir das beweisen? Dem Partner, dem Kind, der eigenen Mutter, dem Chef? Oder doch nur uns selbst? 

 

Sobald wir unseren Emotionen, unserem Perfektionismus, unserem Wunschbild unserer selbst nicht gerecht werden, zweifeln wir an uns. Wir haben dann das Gefühl, gescheitert zu sein. Als wäre alles, was wir tun in Erfolg oder Misserfolg einzuteilen. Fuck! Warum?

 

Wie machen es Männer? Auch sie "scheitern", schreiben dem aber nicht so viel Bedeutung zu. Schwamm drüber, weiter machen. 

 

 

Ich zerberste mir den Kopf noch lange darüber. Als gäbe es ein "Konto", auf dem ich nun gerade im Minus bin. Kein Karma-Konto, ein persönliches Erfolgskonto. Mein Karma ist prima - davon bin ich überzeugt, denn alles, was ich tue, mache ich nach bestem Wissen und Gewissen.

 

Aber soll ich von meiner Einstellung her nun "männlicher" werden? NEIN! Dafür gibt es die Männer. Ich möchte sein, wie ich bin. Mich gibt es nur einmal auf dieser Welt: das Ergebnis meiner Gene, meiner Werte und Erfahrungen. Warum soll das schlecht oder falsch sein?

 

Wie komme ich aber von dieser Art, zu fühlen weg? Rein rational ist mir bewusst, dass ich gut bin, so wie ich bin. Dieser ewige Drang nach Selbstoptimierung geht mir gegen den Strich. Aber emotional verfalle ich immer wieder dem "Nicht-genug-sein".

Natürlich möchte ich mich persönlich auch entwickeln, allerdings soll das "organisch" und nicht erzwungen passieren.

 

Nun ja, was hilft? Darüber zu schreiben tut schon mal gut. Verbündete, Gleichfühlende suchen und finden, darüber zu sprechen, sich auszutauschen, sich gegenseitig zu motivieren und für die Art und Weise wie man ist, zu loben, ist ein nächster Schritt.

 

Für mich ist dieser Beitrag natürlich auch eine Art "Offenbarung", ein "sich-nackig-machen". Aber das ist der Sinn dieses Blogs. Ich sehe mich hier eher als "Bauernopfer" (im wahrsten Sinne) 😉 

 

Im April bin ich mit einer Freundin auf dem Female Future Festival in Bregenz, von dem ich mir Inspiration und Motivation zu dem Thema hier erhoffe.