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Meine Auszeit 2018 – ein Fazit

So schnell wie sie plötzlich da war, ist sie auch schon wieder vorbei – meine Auszeit.

In u.a. diesem Artikel habe ich damals erklärt, warum ich raus musste, mich wieder besser selbst spüren und verstehen lernen.

Ich hatte damals etwas von sechs Monaten geschrieben – solange ist es nicht geworden. Genauer gesagt sind es drei Monate geworden. Was alles passiert ist und was es mir gebracht hat, lest ihr hier:

 

Hauptsächlich wurde meine Zeit von drei großen Erlebnissen geprägt:

 

 

Viel mehr könnte ich darüberschreiben, was ich alles NICHT „geschafft“ habe. Nicht annähernd das, was ich mir vorgenommen hatte. Es läuft einfach doch immer anders als man denkt und als man plant.

Während meiner Auszeit war ich viel Wandern – sowohl alleine, als auch mit Freunden. In der Natur und beim Sport konnte und kann ich sehr gut abschalten. Diese Tage liebe ich: Wenn ich erschöpft, aber glücklich und zufrieden am Abend ins Bett falle.

 

Es gab aber auch Tage, an denen ich einfach nicht in Fahrt kam: Zwar bin ich immer zwischen fünf und sechs aufgestanden, um einen geregelten Start in den Tag zu haben, bin dann in Sport gegangen, aber spätestens nach dem Frühstück stand ich da – ohne Aufgabe. Natürlich hatte ich meine „Liste“ mit den Punkten, die ich in meiner Auszeit vorhatte, „abzuarbeiten“. Aber als ich alle Zeit der Welt hatte, überkam mich oft auch ein Gefühl von Nutzlosigkeit. Das macht auch unzufrieden. Gut war, dass ich damit gerechnet habe, denn so konnte ich etwas gelassener damit umgehen.

 

Während der drei Monate zwischen Juni und September lebte ich wie zuvor auch – nur eben von meinem gesparten Geld, das nach und nach auch zu Ende ging. Mit Durchschnittlich 1.000€ im Monat bin ich aber ganz gut über die Runden gekommen. Ausnahmen gab es trotzdem: Bei Online-Trainer-Lizenz habe ich mir ein Vierer-Bundle gekauft – da waren dann auf einen Schlag 2.200€ weg. Die Alpenüberquerung hat mich neben der körperlichen Anstrengung auch gleich 700€ gekostet. Die viele Zeit, die ich nun mal hatte, habe ich auch nicht ungern für Hobbies ausgegeben, die Geld gekostet haben: Beim Wandern die Hin- und Rückfahrt, die Brotzeit und das Bier auf der Hütte, World Fitness Day in Frankfurt, Kurztrip nach Trier, zehn Besuche auf der Wiesn usw.

 

Lirumlarumlöffelstiel war ich somit ganz froh, ab Anfang September in der Gewissheit gewesen zu sein, einen Job ab Oktober in Aussicht zu haben. Nämlich einen Job in meinem alten Umfeld, allerdings in einer neuen Position und unter neuer Führung. Bei dem Startup URKERN wurde mir die Stelle „Leitung Projekt- und Wissensmanagement“ mit einem kleinen, zum Großteil schon bekannten Team angeboten. Nach einigen Überlegungen, Probearbeiten, Gesprächen mit meinem Freund und meiner Familie, war ich mir sicher: Eine solche Chance, bei dem Auf- und Ausbau eines Geschäftsmodells mitzuwirken, bekomme ich nie wieder. Das darf ich mir nicht entgehen lassen. Und sollte ich merken, dass es doch nicht das ist, was mich glücklich macht, habe ich es wenigstens probiert. Das war und ist sowieso schon immer mein Ansatz bei allem Neuen gewesen. Bereut man im Nachhinein nicht immer das, was man NICHT gemacht hat und niemals das, was man gemacht hat?

 

 

Somit bin ich seit dem 01.10.2018 bei URKERN, der Gesellschaft für Urbanes, tätig.

(c) Andreas Neumann
(c) Andreas Neumann

Von meiner Auszeit habe ich viel mitgenommen, wonach ich währenddessen eigentlich gar nicht gesucht habe. Das sind meine wichtigsten Erkenntnisse:

  • Es kommt erstens immer anders und zweitens als man denkt.
  • Das Leben meint es immer gut mit dir.
  • Alles hat einen Grund, ob man es Schicksal oder Gottes Fügung nennt.
  • Lass Dinge einfach mal passieren.
  • Bleibe stets positiv: Lieber ein Optimist, der ab und zu enttäuscht wird, als ein Pessimist, der andauernd bestätigt wird.
  •   Du verpasst NICHTS, wenn du nicht das schaffst, was du dir vorgenommen hast.
  • Produktivität ist nicht das sture Abarbeiten von Dingen. Die Effektivität passiert dazwischen.
  • Nicht jeder muss dich mögen – du magst auch nicht jeden.
  • Es gibt nicht DIE Wahrheit, DIE Richtigkeit, DAS Gute. Es gibt nur Perspektiven, Umstände, Missverständnisse. Jeder Mensch ist davon überzeugt, gut zu sein.
  • Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
  • Veränderung geht nicht von heute auf Morgen.
  • Lass das Leben passieren. Der Weg ist das Ziel.

 

So banal einige dieser Sprüche sind, so wahr sind sie für mich. Natürlich habe ich diese Erkenntnisse nicht während meiner Zeit erlebt und dann dahinter einen Haken gemacht. Sie sind es rückblickend.

 

Abschließend zu diesem Beitrag kann ich nur meine Empfehlung an jeden aussprechen: Nehmt euch mal eine „Verschnaufpause“, zieht Resümee, reflektiert euer Leben, wenn ihr merkt, dass etwas nicht passt. Verlieren könnt ihr in dieser Zeit nichts (außer Erspartes – aber was ist Geld schon wert, wenn ihr nicht glücklich seid?). Ich kann auch mit Sicherheit sagen, dass ich eine solche Auszeit wieder in Erwägung ziehen werde. Man entwickelt sich, schlägt neue Wege ein, lässt Vieles hinter sich. Das bedarf auch immer mal wieder eines „Sackenlassens“.

 

 

Ich hoffe, der Artikel konnte euch einen kleinen Einblick in meine Denkweise geben und euch inspirieren, euren Weg zu reflektieren. Man muss nicht immer so rigoros wie ich sein und gleich seinen Job kündigen. Oftmals reichen kleine Anpassungen. Viel Erfolg dabei!