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Kurztrip nach Bologna im April

Wer mal für zwei bis drei Tage den Kopf frei kriegen möchte, für den ist Bologna meines Erachtens eine ideale Option - vor allem alleine.


Da ich in München wohne, ist Bologna für mich "nur" einfach sechs Stunden mit dem Zug entfernt. Der Zug ist eine tolle Anreisemöglichkeit, denn Zugfahren macht aus folgenden Gründen Spaß:

  - man muss sich auf keinen Verkehr konzentrieren

  - man sieht viel von der Landschaft

  - man kann lesen, Musik hören, Filme gucken, schreiben, nachdenken, schlafen

  - man kommt weniger gestresst an, fährt aber ungefähr gleich lang wie mit dem Auto


Das Zugticket hat mich knackige 160€ gekostet. Ehrlich gesagt habe ich mir aber auch 1. Klasse gegönnt. Hinfahrt war am Freitag um 07:34 Uhr, Rückfahrt am Sonntag um 11:52 Uhr.

1.  Tag

Grundsätzlich habe ich am Anreisetag immer das Gefühl, dass ich verschlafe, sodass ich sicherheitshalber um vier Uhr aufgestanden bin. Natürlich war das zu früh und ich durfte dann noch eine gute Stunde gammeln und meinen schlafenden Freund nerven (dann hat er wohl nicht mehr geschlafen😅). Auf der Hinreise war ich mit einem Herren in einer Vierer-Kabine untergebracht. Ich hatte den wundervollen Fensterplatz. Die ganze Fahrt war perfekt. In Bologna kam ich um halb drei nachmittags mit etwas Verspätung an und machte mich gleich auf den Weg zu meiner Unterkunft in der Nähe des Zentrums. Für die zwei Nächte war ein Air B&B Zimmer in einer WG die günstigste Option. Die Hotels waren einfach nicht im Budget. So zahlte ich für die beiden nächte schon 94€ - nur für's Schlafen! Aber selber Schuld: Ich weiß ja, dass Kurztrips die teuersten sind. Somit gingen schon über 250€ für Anreise und Unterkunft drauf. 

Allerdings war mein Gastgeber Daniel so bemüht und lieb, dass ich die Kosten auf keinen Fall bereue. Auch die Unterkunft war in Ordnung: Ich hatte ein eigenes Bad mit Dusche und WC, die Küche hätte ich mitbenutzen können, tat es aber aus Zeitgründen nicht. Nachdem mir Daniel einen ersten Überblick über Bologna gegeben hatte, machte ich mich auf eigene Faust auf und lief erstmal ins Zentrum. Schon auf dem Weg in die Unterkunft sah ich eine Bar, in der die Leute kleine Brotzeitbrettchen mit allerlei Käse, Schinken und Brot sowie - wie kann es anders sein - Wein vor sich stehen hatten. Das wollte ich natürlich auch und fand die Bar relativ schnell wieder. Die Platte war DE-LI-ZIÖS (bitte auch so und langsam und betont aussprechen). Dazu gab es einen Aperol Sprizz. Was für ein Leben!

Pappsatt ging es weiter zur Touri-Info, wo ich mir die Bologna-Card für drei Tage holte. Man zahlt 30€ und bekommt dafür:

- Eintritt in fast alle Museen

- Stadtrundfahrt (hop on hop off)

- Stadtrundgang (zwei Stunden)

- Asinelli-Turm

- San Luca Aussichtsplattform

uvm.


Ich habe die Karte zwar nicht komplett ausgenutzt, aber den Preis auf jeden Fall reingeholt. Am ersten Abend nutzte ich gleich den Aufstieg in den 97 Meter hohen Asinelli Turm. Kann es sein, dass mit dem Alter auch die Höhenangst kommt? Ich dachte eigentlich nicht, dass ich so ein Schisser bin. Aber wen hätte ich denn Vollheulen können, ich war ja alleine unterwegs ;-)


Abends habe ich mich dann noch in ein Lokal gesetzt, gelesen und sinniert. Mit Wein geht das alles doch recht einfach. Um 22 Uhr war ich dann schon in meiner Unterkunft und bin auch nicht mehr rausgegangen.

 2.  Tag

Geschockt schaute ich auf die Uhr: 9 Uhr! Ich? An einem Samstag? Ohne, dass ich am Vorabend großartig lange wach war! Da hat jemand wohl den Schlaf gebraucht.

Mein erstes Vorhaben war somit hinfällig (im Park spazieren gehen), da um 10:30 Uhr die Stadtführung begann. Zum Frühstück ging's in eine typisch italienische Kaffee-Bar: Bestellung & Verzehr am Tresen. Dazu gönnte ich mir noch ein Croissant mit Vanille Creme. Dann ging's auf zum Stadtrundgang zu Fuß. Die Führerin erzählte uns Touris in einer 2,5stündigen Führung alles über Bologna - und das auf Italienisch und Englisch. Ich war richtig stolz, wie viel ich durch mein Spanisch und Latein von dem Italienischen verstand. Nach der Führung war es erst einmal Zeit für's Mittagessen und den Mittagswein 😅 Ich setzte mich in ein Restaurant in eine Seitenstraße des Piazza Maggiore (was sich in den Preisen definitiv nicht wiederspiegelte😂), das ich auf dem Stadtrundgang entdeckt hatte und genoss erneut eine Platte mit Käse, Schinken und Brot begleitet von einer ausgewogenen Mischung aus Weißwein und Wasser. Schon lustig, wie man angeschaut wird, wenn man alleine an einem Tisch sitzt, das Leben genießt und einfach nur Leute beobachtet. Zufrieden und vollgemampft rollte ich zur ersten Station des Hop-on-hop-off Busses. Da ich zu früh dran war, setzte ich mich auf die Stufen und wartete. In der Zeit sprachen mich vier Leute auf Italienisch an - ich verstand sie alle, konnte aber nicht antworten, da mein Spanisch hier eh niemand versteht. Ich versuchte es mit Händen und Füßen. Wir lachten, aber verstanden uns. (Insgesamt passierte mir das ungefähre sechsmal während der zwei Tage.) Die Bustour machte ich insgesamt zweimal, das "Hop-on-hop-off" nutzte ich gar nicht - dafür den Fahrtwind, der mich angenehm abkühlte. Ich hätte zwar noch so viele Museen mit meinem tollen Ticket kostenlos ansehen können, aber dafür war mir das Wetter zu traumhaft. Außerdem kann ich das immer noch wannanders machen. 

Nach dem Touri-Programm wollte ich kurz in meine Unterkunft um mich zu duschen und etwas schick zu machen für meinen letzten Abend. Ich musste auf jeden Fall noch eine Pizza essen! Ich fragte Daniel, wo es die beste Pizza in der Stadt gibt und folgte seinem Tipp. Gut, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, deswegen war ich nicht allzu enttäuscht, sondern suchte mir einfach nach dem von ihm empfohlenen Laden noch eine andere Option 😋 diese fand ich auch in einem Studentenviertel in der Via del Pratello in einem Laden, in dem es nur Pizza und Bier gab. Das Ambiente war genau, wie ich es mir vorgestellt hatte: viele Studenten, viel Bier, viel Pizza 💚 nach dem guten Essen rollte ich wieder Richtung Unterkunft. Der Spaziergang tat mir sehr gut, so viel Pizza, Bier und Brot können schon ordentlich im Magen liegen. Aber satt bedeutet ja nicht voll, sodass ich mir noch zwei Kugeln Eis gönnte😅 jetzt war aber wirklich der Anschlag erreicht. Zufrieden plumste ich in der Unterkunft ins Bettchen. Viel zu früh für einen Samstag - genau richtig für mich!

 3.  Tag

Am letzten Tag (Sonntag) wachte ich "normal" auf, also gegen sieben Uhr. Perfekt! Da konnte ich doch noch in den Stadtpark Giardini Margarita, die Ruheoase der Stadt, und ein bisschen gehen. Der Park ist nicht besonders groß, aber dafür sehr idyllisch. Um acht Uhr sind schon echt viele Leute unterwegs. Ich umrundete und durchquerte den Park ca. 2,5 Stunden und sammelte noch ordentlich Schritte (v.a. mit der Aussicht auf sechs Stunden Zugfahrt). Um halb elf ging's zurück in die Unterkunft, um mein Sack und Pack zu hohlen und zum Bahnhof zu rollen. Was ich richtig toll an Bologna finde, ist die Tatsache, dass die Innenstadt abends und am Wochenende Fußgängerzone ist - das macht das Bummeln zu einem vollkommen neuen Erlebnis, weil du nicht andauern die Angst haben musst, angefahren zu werden 😅 vor allem ist die Fortbewegung schneller.

Für meinen Überpünktlichkeitswahn war ich dann doch reaktiv spät dran, sodass ich einen etwas erhöhten Puls bekam: nur noch fünf Minuten bis zur Abfahrt und ich sitze noch nicht aufgeräumt an meinem Zugplatz😱 was für ein Horror. Natürlich bekam ich den Zug.

Meine Rückfahrt war zwar etwas "beengter" als meine Hinfahrt, trotzdem ein Erlebnis. Ich liebe es, einfach nur aus dem Fenster zu gucken und in Gedanken zu spinnen. Man wird so kreativ - also ich zumindest. Nach sechs Stunden kam ich wieder in München an und wurde von meinem  wundervollen Mann abgeholt♥️ den habe ich trotz der inspirierenden Zeit sehr vermisst. Es ist einfach ein anderes Reisen, wenn er nicht dabei ist. Nächstes Mal muss er dann aber definitv mit.

Fazit

Die zwei Tage Bologna haben mir persönlich so gut getan, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Das italienische Flair habe ich förmlich aufgesaugt und so für die kommenden Wochen Energie getankt. Es ist einfach mal schön, rauszukommen und etwas anderes zu sehen. Die Lebensfreude ist in südlichen Ländern meines Erachtens eine andere, eine viel gelassenere und positivere. In der Fußgängerzone wird an jeder Ecke getanzt, musiziert oder gesungen - bei uns in Deutschland ist das kaum möglich. Unabhängig von der rechtlichen Lage, sind die Menschen bei uns irgendwie grimmiger. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor😅

Ich kann jedem nur empfehlen, mal ein Wochenende alleine weg zu fahren. Mit dem Zug oder Auto ist man wirklich schnell an wunderschönen Orten. Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass mir etwas weniger gereicht hätte: also z.B. Samstag früh hin und Sonntag Abend zurück. Aber das mache ich aber dann nächstes Mal so😉