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Bumm - Restart "Leben"

Ich habs getan: GEKÜNDIGT! Nach zwei Jahren habe ich den Absprung geschafft. Für manche ist das vielleicht jetzt nichts besonderes. "Die wird halt dann woanders arbeiten", aber ehhhhh NEIN: Ich habe nichts in Aussicht.

Warum ich das getan habe? Kurz: Weil ich einfach nicht mehr glücklich bin mit dem, was ich mache. Und das wirklich große Problem für mich ist eher: Ich weiß leider nicht, WAS mich glücklich machen könnte. Deswegen habe ich beschlossen, mich erst einmal zu reseten und mir darüber bewusst zu werden, was ich machen möchte.

Ein wenig habe ich gespart. Damit werde ich hoffentlich die nächsten sechs Monate über die Runden kommen. Weil: Vom Arbeitsamt bin ich natürlich erst einmal gesperrt. Da gilt "die Arbeit erfüllt mich nicht mehr" als nachvollziehbaren Grund nicht. 

Ein bisschen habe ich aber noch in der Arbeit: zwei Monate bis Mitte/Ende Juni 2018 habe ich noch zu arbeiten.

Auf meine Reise zum Glücklichsein nehme ich jeden gerne mit, der es lesen möchte. Habt Nachsicht mit meinen Entscheidungen in unmittelbarer Zukunft, ich muss mich erst an meine neue "Aufgabe" gewöhnen.

Was der ONM (Otto-Normal-Mensch) nun fragt/sagt:

 1.  Aber du hattest doch alles, was du je wolltest: guter Verdienst, viel Urlaub, Freizeitausgleich, tolle Kollegen usw. - warum willst du das aufgeben?

Ist mein Entschluss so endgültig? Bedeutet mein Entschluss jetzt, dass ich das nie wieder haben werde? NEIN! Klar hatte ich das alles, aber nicht alles war rosig. Und vor allem hat es mich nicht glücklich gemacht. Obwohl ich das, wofür ich gearbeitet habe, toll fande, meine Kollegen die besten waren, die ich je hatte und ich wirklich gut verdient habe, bin ich immer öfter mit einem Ziehen im Bauch in die Arbeit gegangen. Wenn jemand meinen Namen gerufen hat, war mein erster Gedanke: Habe ich etwas falsch gemacht? Obwohl ich meine Arbeit immer gewissenhaft erledigt hatte, fühlte ich mich "schuldig" und zur Verteidigung aufgerufen.  Zudem hatte ich eine Rolle in einer Unternehmensgruppe, die nicht wirklich klar war, sodass ich immer wieder "zwischen die Fronten" geriet. Ich machte mir über Dinge Gedanken, die mich eigentlich nicht beschäftigen sollten. Die Gedanken belasteten mich auch privat.

Zusätzlich war das mein erster Job nach dem Studium: Ich, voller Ideen, Gedanken, Ansätze, arbeitete einer Person zu, die eben anders ist. Meine Ideen prallten ab, das frustriert langfristig. Trotz öfteren Hinweisen darauf wurde es nicht besser.

Mein Entschluss aus der Situation raus zu wollen ist endgültig - aber nicht, dass ich nie wieder diese Privilegien genießen kann. Nur aktuell stelle ich mein Wohl über diese Privilegien.

 2. Wie willst du nun "(über)leben"?

Am besten nicht so, wie zuvor, denn: Das hat mich ja nicht glücklich gemacht. Überleben werde ich wie bereits erwähnt - solange es geht - mit meinen Ersparnissen. Meinen bisherigen Lebensstil kann ich natürlich erst einmal nicht mehr fortführen. Aber das ist es mir in der aktuellen Situation wert. 


 3.  Was sagen denn deine Familie und dein Partner dazu? Ist das nicht sehr egoistisch?

Ja, es ist sogar sehr egoistisch, denn: Kein anderer als ich selbst werde mich am Ende meines Lebens fragen, ob ich alles Erdenklich gemacht habe, um glücklich zu sein. Auch wenn ich meinen Verlobten sehr liebe, so bin ich weder für sein, noch er für mein Glück verantwortlich. Und ich bin mir auch sicher: Nur wenn ich glücklich bin, kann ich auch meinen Partner glücklich machen. Was aber nicht bedeutet, dass ich für sein Glück verantwortlich bin. 

Meine Familie sieht das sicher mit gemischten Gefühlen - auch wenn sie es niemals aussprechen würden: Sie sehen ihre Tochter, Enkelin, Schwester eine (vermeintliche) Sicherheit aufgeben. Dabei sollte sie (also ich) doch mit dem zufrieden und glücklich sein, was sie hat. Meine Mama bestärkt mich in meinem Wunsch nach Glück - trotzdem glaube ich auch, dass sie ebenfalls Zweifel hat.

Diese Entscheidung treffe ich zwar in Abstimmung mit meinem Partner, weil er ein großer Teil meines Lebens ist, aber trotzdem treffe ich sie für mich allein. Denn ich alleine muss mit allen positiven und negativen Konsequenzen aus dieser Entscheidung  klar kommen.

4.  Was lief schief in deinem Leben, dass du an den Punkt gekommen bist?

Ich würde eher sagen: Alles lief rund - zu rund. Ich hatte nie Zeit, nachzudenken, zu reflektieren, auszuprobieren. Alles lief glatt: Schule, Abi, Bachelor, Master. Mal hier ein Auslandspraktikum, mal da ein Sprachkurs in den Semesterferien, mal ein Durchschnaufen nach dem Studium - aber alles immer zeitlich begrenzt und auf ein Ziel hinarbeitend. Ich will einfach mal SEIN. Dass das nicht immer harmonisch laufen wird, ist mir klar. Aber nur, weil ich weiß, dass ich ohne Stress sentimental und deprimiert werden könnte, heißt es doch nicht, dass ich mich mit dieser Situation nicht auseinandersetzen sollte. Etwas nur zu tun, um etwas anderes zu vermeiden, löst es nicht, sondern überspielt es nur.

Jetzt heißt es: Einfach mal keinen Plan haben. Forschen, was mich interessiert, was ich wirklich will.


 5.  Hast du nicht Angst, dass du immer weiterstreben willst und niemals "ankommst"?

Oh doch - aber die Angst davor, dass mein Leben bis zu meinem Tod so weiter geht, ist in dem Fall größer. Natürlich kann es sein, dass ich nie zufrieden bin, aber es kann eben genauso gut sein, dass ich es sein werde. Ich nehme einfach nur mein Leben selbst in die Hand und warte nicht darauf, dass es mich glücklich macht. Früher dachte ich auch, die Anerkennung von Vorgesetzten ist das höchste Lob, dass ich bekommen kann und mich somit glücklich und zufrieden macht. Jetzt weiß ich, dass es das nicht ist. Ich glaube, ich kann besten Gewissens sagen, dass ich meine Arbeit immer gut gemacht habe - zumindest habe ich das öfter zu Hören bekommen. In dem Moment ist es auch toll, gelobt zu werden. Aber langfristig? Ich merke ja schon jetzt: Lange davon zehren kann ich nicht. Da geht es auch nicht um Würdigung oder Huldigung, sondern ganz alleine um mein persönliches Empfinden. Wie gesagt: Verdient habe ich ja nicht schlecht - das ist ja auch ein Zeichen von Wertschätzung. Es hätte auch sicher noch mehr werden können, aber zufriedener hat es mich nicht gemacht. Mir ist auch mittlerweile bewusst, dass die Anerkennung von Vorgesetzten und Kollegen nie das erreichen wird, was ich wirklich brauche: Meine eigene Anerkennung, meine eigene Zufriedenheit, mein eigenes Lob.

6.  Aber willst du wirklich "von Vorne" anfangen?

Nein! Ich bin ja nicht plötzlich wieder ein Baby und muss das alles nochmal durchleben. Ich möchte nur meine Berufung finden. Das setzt vielleicht eine komplett neue Ausbildung voraus, aber ich selbst fange nicht von Vorne an, sondern bringe mich weiter. Glaubt mir, für mich ist es auch nicht einfach, mir einzugestehen, dass ich meine ganze Ausbildung in Frage stelle. Abitur (wenn vielleicht auch Realschule gereicht hätte), Bachelorstudium, Masterstudium und zwei Jahre in einem Bereich, den ich jetzt nicht mehr machen möchte. BUMM! Das ist schon eine Erkenntnis, die seine Zeit gebraucht hat. Aber ich muss es anders sehen: Nur weil ich es genau so gemacht habe, weiß ich, dass ich das erst einmal nicht mehr machen möchte. Das hätte mir wahrscheinlich in jedem anderen Beruf auch passieren können. Gut, dass ich es noch vor 30 gecheckt habe - leichter wird es ja im Alter auch nicht unbedingt (was nicht heißt, dass es nicht möglich wäre).



 7.  Aber das, was du machst, kannst du doch echt gut!

Gegenargument: Nur, weil ich etwas gut kann, heißt es nicht, dass es mir Spaß bereitet. Toll wäre es schon, wenn "gut können" und "Spaß machen" auf die gleiche Sache zutrifft. Dann spricht man von einem Talent. Ich bin mir sicher, ich finde auch etwas, was mir Spaß macht UND was ich kann. Aktuell ist das leider nicht so.

8.  Die Kündigung war doch jetzt 'ne totale Kurzschlussreaktion von dir, oder?

Um ehrlich zu sein war ich von Anfang an nicht wirklich glücklich in der Position, in der ich eingesetzt wurde. Allerdings brauchte ich dringend einen Job und dachte bei vielen Dingen, das sei normal. Seit etwas über einem halben Jahr spiele ich mit dem Gedanken, zu kündigen. Allerdings habe ich es immer vor mir hergeschoben, es als Spinnerei abgetan. Natürlich gab es dann einen Vorfall, der das Fass mal wieder zum Überlaufen brachte. Doch diesmal hielt ich mich nicht zurück: Ich nahm mein Schicksal selbst in die Hand und kündigte. Jetzt kann man es natürlich so oder so sehen, aber ich bin mir auch zwei Wochen nach meiner Kündigung der Konsequenzen bewusst.


 9.  Wie geht's jetzt weiter bei dir?

Mein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.18, nach Abzug von Urlaub und Überstunden wird es auf Mitte Juni rauslaufen. Danach bin ich vorerst arbeitslos - das heißt aber nicht, dass ich untätig bin. Ich bin schon seit einiger Zeit dabei, eine sog. Bucket-List aufzustellen. Also eine Liste mit den Dingen, die ich in meinem Leben noch absolvieren möchte. Da ich durch diese Wünsche auch viel über mich und meine Beruf(ung)swünsche herausbekomme, sehe ich das keinesfalls als "harzen". Meine Bucket-List erstelle ich noch, ihr könnt sie dann hier einsehen - sie wird laufend aktualisiert.


Ich halte euch auf dem Laufenden....