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VIETNAM REISE: TAG 8 - 14

8.  Tag

Mein Stresslevel ist für dieses Jahr aufgebraucht: Wir haben uns mit dem Roller in den vietnamesischen Verkehr begegeben. Unfasssbar! Aber alles der Reihe nach: Im Hotel in Hue haben wir den Roller für die Überfahrt nach Hoi An inkl. Gepäcktransport gebucht. Vorab habe ich mich etwas eingelesen und folgende Regeln identifiziert:

1. Im Straßenverkehr gibt es keine Regeln wie wir sie in Deutschland kennen:

  - Rechts überholen? Normal.

  - Rote Ampeln missachten? Immer.

  - Helm tragen? Das schränkt nur die Sicht ein.

  - zu fünft auf dem Roller? Na klar!

Btw: die meisten Kinder tragen in Vietnam keinen Helm auf dem Roller. Die Vietnamesen glauben, dass das die Gehirnentwicklung der Kinder einschränkt. 


 2.  Alles muss im "Flow" bleiben: Abruptes Bremsen gibt es nicht, alles wird nur umfahren.


3. Ausländer sind bei Unfällen IMMER Schuld, da Ausländer das Yin und Yan im Straßenverkehr durcheinanderbringen. Sie fahren zu ängstlich und bestehen auf ihr Recht. Das gibt es hier aber nicht.


 4.  Hupe, um auf dich aufmerksam zu machen und um andere zu warnen, z.B. beim Überholen


Na toll!! Mit diesen "Regeln" im Hinterkopf fahren wir gegen neun Uhr morgens los. Zuerst zur Tankstelle - zum Glück gibt es hier Personal, das uns hilft. Es gibt zwar nur einen Kraftstoff, die Abrechnungspolitik bleibt uns aber ein Rätsel. Los geht's auf die Hauptstraße, auf der wir die nächsten sechs Stunden mit kleinen Pausen verbringen. Wir navigieren mit Mapsme - eine Offline-Karte, die wir zuvor heruntergeladen haben. Wir fahren möglichst weit rechts, um den Verkehr nicht zu stören. Da an Kreuzungen aber immer alle gleichzeitig von allen Seiten fahren, wird das auch zur Herausforderung. Anfangs bremsen wir noch abrupt. Wir lernen aber schnell, das Hindernis zu umfahren. Als größte Bedrohung erscheinen uns die Busse und LKWs: Wir erschrecken immer dermaßen, wenn ein Riesentruck an uns gefühlt einen Meter hupend vorbeifährt. Daran gewöhnen wir uns auch nicht. Sehr spannend sind auch die Geisterfahrer am rechten Straßenrand. Auch etwas völlig normales hier.

Wir tuckern so vor uns hin, immer sehr, sehr  langsam, da habe ich einfach das Gefühl von mehr Kontrolle (haha!).

Der eigentliche Grund, warum wir die Strecke mit dem Roller zurücklegen, ist der sogenannte "Wolkenpass" (Hai-Van-Pass). Dieser ist mit 496 Metern Höhe und 20km Länge die Wettergrenze zwischen Nord- und Südvietnam. Das haben wir auch gleich am eigenen Leib erlebt: Als wir hochfuhren, war es frisch, es nieselte und vor lauter Nebel hatte man keine 30 Meter Sicht. Sobald wir aber über die höchste Stelle gefahren sind, riss der Himmel auf, die Temperatur stieg sofort auf über 20 Grad und wir schwitzten sofort ins unseren Regencapes. Endlich! Wir dachten schon, die Sonne wäre in Rente gegangen (Robin hat jetzt einen fetzten Sonnenbrand im Gesicht und an den Handrücken).

Gegen 15 Uhr kamen wir in Hoi An an. Im Hotel, das uns leider sehr enttäuschte, bezogen wir unsere Zimmer und bekamen auch gleich unsere Rucksäcke geliefert. Da unsere Hintern und Rücken so lange Fahrten nicht gewohnt sind, war klar: Wir brauchen eine Massage! Unsere vierte innerhalb von acht Tagen - kein schlechter Schnitt: Jeden zweiten Tag eine :--) Nach einem verspäteten Mittagessen ging es ins nächste Spa. 60 Minuten unter 10€ pro Person - neuer Rekord. Für mich war es eindeutig die entspannendste Massage bis jetzt. 

Kurz frisch gemacht ging es auch schon weiter auf den Nachtmarkt, wo wir uns mit Kathrin und Jonas verabredet hatten. Die zwei kamen heute aus Ninh Binh mit dem Nachtbus angereist.

Hoi An hat etwas zauberhaftes: Überall hängen bunte Lampingnos. Die Stadt ist von einem Fluß durchzogen, auf dem kleine Boote mit ebenfalls Lampignons darauf herumschippern. Die Atmosphäre ist magisch. Dass das nicht nur wir erkannt haben, zeigt auch die Masse an Touristen. Das vermiest mir etwas die Stimmung. Wir kamen uns fast vor wie auf dem Sommer Tollwood: Viele Fressstsände und Handwerk, viel Gedränge und horrend hohe Preise. Ein Geheimtipp scheint das hier schon lange nicht mehr zu sein. Etwas besänftigt uns die Tatsache, dass es hier Bier für 18 Cent gibt. Von der Rollerfahrt sind wir sehr platt und verabschieden uns recht zeitnah von Kathrin und Jonas, die wir hier wieder getroffen haben. Morgen wollen wir endlich schönes Wetter mit Sonne satt haben. Mit diesen Aussichten ist auch das Schimmelzimmer nicht mehr ganz so schlimm.

9. Tag

Gestern Abend habe ich kurzfristig beschlossen, nicht in diesem ekligen, vermoderten Zimmer zu schlafen - sogar das Atmen ist mir schwer gefallen. Wir haben uns typisch deutsch beschwert* und zum Glück noch ein viel besseres, schimmelfreies Zimmer bekommen. Die Nacht war nicht die beste, da ich mich hier einfach nicht wohlfühle. Zum Frühstück gab es Banana Pancakes und Rührei. Nach einem kleinen Stadtbummel in Hoi An war uns schnell klar, dass wir uns ein Fahrrad mieten und die Gegend sowie den Strand erkunden wollen. Auf einem Fahrrad für zwei Dollar pro Bike pro Tag machten wir uns auf den Kurztrip Richtung Strand - ENDLICH! Sonne, Meer und Sand soweit das Auge reicht. Da ich auf der Sonnenliege schnell weggeratzt bin, bin ich mit einem Hyper-Mega-Sonnenbrand aufgewacht. Arrrrgh! Ich, die immer alle zum eincremen zwingt. Naja, kalt wird mir jetzt erst einmal nicht.

Wir beschließen, für die nächsten drei Nächte ebenfalls hier in dem Ort zu bleiben. Zwar sehen wir dann weniger, aber dafür entspannen wir mehr. Das ist es uns wert. Wir buchen ein Hotel weiter außerhalb von Hoi An mit Pool und ohne Schimmel. Für 18 Euro pro Nacht inkl. Frühstück.

Zurück in unserem Ekelhotel haben wir schon wieder Hunger und machen uns nach einer Entsandungsdusche auf Richtung Ortskern. 

Um meinen Blog zu schreiben, setzen wir uns noch in das gleiche Café wie gestern. Bei Kaffee und Kuchen schreibt es sich einfach besser. Und wer setzt sich zu uns? Kathrin und Jonas. Sie haben noch zwei Mädels dabei, die sie auch auf der Reise kennengelernt haben.

Wir tauschen uns aus und werden plötzlich von einer Kakerlake aus dem Gespräch gerissen. An sich etwas völlig normales hier. Die tun ja nichts. Trotzdem finde ich sie total eklig. Sie krabbelt die Wand hoch und ist nun auf Kopfhöhe. Mich schaudert es. Kathrin ist überrascht, dass wir bei  Krabbelviechern so ängstlich sind: "Die machen doch nichts. Solange sie nicht in meinen Haaren krab-" plötzlich bekommt die Kakerlake Flügel und fliegt ihr ins Haar, dann auf den Tisch, dann in meine Tasche und wieder auf den Boden. Wir kreischen und springen in alle Richtungen weg vom Tisch. Wahrscheinlich ein wahnsinnig lustiges Bild: zwei Männer und vier Frauen haben Angst vor einem ca. fünf Zentimeter großen Viech. Wir sind solche Memmen. Nach dem Erlebnis ist aber irgendwie die Luft raus und wir verabschieden uns bald.

Heute war ein richtiger Chiller-Tag. War das gut! Morgen wird weiter gechillt. Langsam, aber sicher setzt die Entspannung ein.

10. Tag

Auaaaaa! Der Sonnenbrand an meinem Rücken ist wirklich vom feinsten. Ich ärgere mich so. Jetzt heißt es erst einmal keine Sonne.

Heute haben wir endlich das Ekelhotel verlassen und sind in ein tolles Hotel mit Pool gezogen. Hier bleiben wir weitere drei Nächte. Eigentlich wollten wir noch so viel vom Land sehen, aber hetzten wollen wir uns auch nicht.

Hoi An ist ebenfalls bekannt für seine Schneiderkunst, deswegen habe ich mich kurzerhand entschlossen, mir dort einen Jumpsuit schneidern zu lassen. In Senfgelb. Bin irgendwie noch skeptisch. Das Vermessen hat ca. 10 Minuten gedauert. Kosten tut das gute Stück ca. 25€. Das ist wirklich unschlagbar. Morgen dürfen wir wiederkommen und es wird final angepasst.

Heute nach zwei Tagen war wieder Workout-Time. Im Ekelhotel wollte ich nicht auch noch schwitzen. Dafür gab's heute eins am Vormittag und eins am Abend. Doppelt schmerzhaft wegen dem saftigen Sonnenbrand🙈

Mittagessen gab es heute relativ spät in einem sehr guten einheimischen Restaurant. Da hier in Vietnam die Portionen normalerweise eher klein sind, bestellten wir uns vorsorglich vier Gerichte. Ups! Da müssten wir dann doch kämpfen, aber es war so lecker. Hier in Hoi An heißt eine Spezialität Cao Lau: das sind besondere Nudeln in einer Suppe mit Gemüse und Schweinefleisch. Das Rezept für die Nudeln wissen angeblich nur noch drei bis fünf Familien in Hoi An. Sie sind dunkler und dicker als die bekannten Reisnudeln.

Dazu gab es "White Roses": Schweinefleisch in Reispapier gekocht. Die sehen dann aus wie Blumen und sind ebenfalls eine lokale Spezialität.

Zusätzlich hatten wir noch "fresh spring Rolls" (bei uns Sommerrollen): Salat, gedünsteten Gemüse und Chicken in Reispapier eingewickelt mit Fischsauce. Ein Gedicht - ich finde die ja schon bei Khanittha im Werksviertel so unglaublich lecker. Aber die heute waren der Knaller.

Für Robin gab es "Hot Pot": Gemüse, Nudeln und Fleisch sowie Ananas in einem Topf (Pot!) serviert. 

Wir mussten wirklich kämpfen, aber es war einfach zu lecker. Mit jeweils zwei Getränken haben wir dafür dann etwas über 10€ zusammen gezahlt 🙊

Danach rollten wir übersatt, aber zufrieden zurück ins Hotel.

Damit wir uns nicht komplett faul fühlten, buchten wir eine Tour nach My Son für den nächsten Tag. Das hat mich etwas Überzeugungsarbeit bei Robin gekostet. "Wir viele Tempel willst du denn noch sehen?" Keine Ahnung, so viele wie möglich. Diese mit Pflanzen überwachsen Ruinen wie man sie aus Tombraider kennt, haben für mich etwas magisches. Kompromiss: die Tour geht nur einen halben Tag.

Den restlichen heutigen Tag liegen wir typisch touristisch am Pool und netflixen etwas am Abend. Vom Mittagessen sind wir noch so voll, dass wir uns das Abendessen sparen und früh ins Bett fallen.

11. Tag

Mal nicht von vorbeirauschenden Rollern geweckt zu werden, hat auch was. Obwohl es heute ein Baby war - aber mit denen werde ich eh nicht warm.

Um 07:30 Uhr ging es dann schon los Richtung My Son, einer der bekanntesten Tempelstädten in Zentralvietnam. Diese Stadt entstand aus der Kultur der Cham, eine stark hinduistisch geprägten Kultur, die ihren Ursprung in Indien hat. Unser Reiseleiter Tin (oder Tan) ist Mitte 30 und ein kleiner Spaßvogel. Sein Englisch ist in Ordnung. Teilweise haben wir aber Probleme, ihn zu verstehen. Dass Häuser nicht aus Seemännern ("sea men"), sondern aus "cement" (haha: Zement) gebaut werden, hat bei uns aber akustisch etwas länger gedauert ;-)

Die Tempel der Cham sind aus dem 2. und 3. Jahrhundert. Leider wurde vieles während des Vietnamkriegs von den Amerikanern zerstört. Noch heute sieht man die riesen Bombeneinschlaglöcher. "Während der Regenzeit sind das mittlerweile Swimmingpools", sagt uns der Guide. Wir wissen nicht, ob wir lachen oder traurig schauen sollen. 

Die Anlage ist natürlich auch ein perfektes Motiv für Fotos. Deswegen knipsen wir uns noch die Finger wund.

Es ist richtig schwül in dieser Tempelanlage. Naja, wir wollen uns ja nicht beschweren: In Deutschland hat es gerade zweistellige Minusgrade.

Nach einer - meines Erachtens - professionellen und akkuraten Tanzeinlage für Touristen, geht es auch schon wieder Richtung Heimat (also Hotel). Auf dem Rückweg gibt es Mittagessen. Dieses findet in einer recht unscheinbaren, abseitsliegenden Location statt und ist wie bis jetzt alles: MEGA LECKER. Es gibt Cau Tao, Frühlingsrollen, Omlette - das Standardprogramm eben. Aber ich bin es einfach nicht satt.

Gegen 13 Uhr sind wir zurück im Hotel und starten gleich wieder durch zu unserer Schneiderin. Um 14 Uhr soll mein Jumpsuit fertig sein. Und was soll ich sagen? Es ist echt gut geworden. Schneiderkunst kann ich persönlich leider nicht bewerten, aber es ist mir einfach auf den Leib geschnitten. Nur mit der Farbe bin ich noch unsicher: senfgelb. Aber für 25€ kann man nichts sagen. Natürlich wollte uns die Schneiderin gleich noch mehr andrehen. Hat sie auch geschafft: Für meinen Freund gibt es morgen ein Hemd abzuholen. Preis: 18€. Wir sind auch hier gespannt.

Da unser nächster Urlaubs-Stopp Quy Nhon ist, haben wir uns auf dem Weg  zurück gleich mal die Tickets für die Fahrt geholt: 15$ pro Person für fünf Stunden Fahrt. Angeblich werden wir an unserem Hotel aufgegabelt.

Nach der Arbeit kommt bekanntlich das Vergnügen - und somit ging es wieder zurück im Hotel an den Pool. Das ist Urlaub!

Nach dem Sport (+Dusche) brechen wir wieder auf Richtung Stadtmitte: Heute, am Monatsersten, findet die Fullmoon-Party statt. Es werden lauter Kerzen in kleinen Papierschiffchen aufs Wasser geschickt. Das Bild, das sich einem bietet, ist wirklich für Götter.

12. Tag

Schon fast zwei Wochen sind wir in diesem wundervollen Land Vietnam. Es ist zwar touristischer als z.B. die Philippinen, aber die Leute sind trotzdem sehr herzlich und bemüht um jeden einzelnen Touristen. Das Durchschnittseinkommen eines Vietnamesen beträgt 150$ pro Monat (ca. 121€) - das merkt man eindeutig an den Essenspreisen. Wir zahlen mittags immer zwischen sieben und zwölf Euro zu zweit. Und das ist auch noch lecker.

Zwar gibt es immer Agenturen, die sich auf europäische Touristen spezialisiert haben und wissen, dass sie mehr verlangen können, trotzdem ist es immer noch im Rahmen. Im Vergleich zu z.B. Ecuador, wo der monatliche Verdienst ca. 400$ beträgt und die Lebenshaltungskosten mit Deutschland verglichen werden können, ist es hier noch human.


Heute haben wir Robins Hemd von der Schneiderin abgeholt: Ein Baumwollhemd für 18€  - maßgeschneidert. Er ist sehr zufrieden. Ich glaube, er hat sich etwas in die Schneiderin verliebt. Minh Tinh heißt sie. Sie wollte uns natürlich noch viel mehr verkaufen, aber morgen reisen wir schon ab.


Vormittags war Strand angesagt. Auf dem Weg dorthin sind wir über Reisfelder geradelt: Was für eine Atmosphäre. In die saftig grünen Reispflanzen möchte man am liebsten reinbeißen. So schön!


Dass wir uns die vietnamesische SIM-Karte besorgt haben, war eine sehr weise Entscheidung. Wir haben uns für 4GB entschieden, 150 Frei-SMS und 15 internationale Freiminuten für 11$ - das Ganze mal zwei. Die Netzabdeckung ist für Asien voll in Ordnung. Für Europa hervorragend. In den hintersten vietnamesischen Kafffs haben wir bessere Netzabdeckung als zwischen München und Ingolstadt. Deutschland hinkt eindeutig hinterher. WLAN gibt es auch fast überall.


Aber zurück zur SIM: Dadurch, dass wir immer irgendwie Internet haben, können wir jederzeit googlen, was uns interessiert:

- Bildungssystem Vietnam: Einige Seiten sagen etwas von Schulpflicht, andere nicht. Alle Seiten sind sich einig, dass der Vietnamese für die Bildung seiner Kinder selbst zahlen muss. Und das bei dem niedrigen Einkommen. Auf dem Land können sich viele Vietnamesen das deswegen nicht leisten und setzen ihre Kinder aus Kostengründen lieber als Arbeitskräfte ein. Ein Teufelskreis.

- Sextourismus Vietnam: Auch hier gibt es ihn, wenn auch nicht so offensichtlich. Offiziell ist Prostitution verboten und wird auch entsprechend bestraft. Wir sehen hier kaum ältere Männer mit jungen Vietnamesinnen  - was natürlich nichts heißt. Auf den Philippinen war das Gang und Gebe - leider. Auf Pädophilie steht übrigens die Todesstrafe.

- Reisanbau: Wir sehen tag ein, tag aus immer diese in unseren Augen überschwemmten Felder. Also höchste Zeit das zu googlen. Wir finden heraus, dass es sich um Reisfelder handelt. Genauer gesagt um Nassreisanbau. Die Reissetzlinge werden so bald wie möglich per Hand in das Wasser umgepflanzt. Der Reis muss immer auf dem gleichen Wasserstand gehalten werden, sonst verdirbt er. Das Wasser dient ebenfalls zur Abwehr von Schädlingen. Die Reisernte kann man sich wie die Getreideernte vorstellen. An einem Halm sind viele Reiskörner. Nach dem Reisdreschen ist das Reiskorn noch ungenießbar - es droht sogar Erstickungsgefahr. Erst durch das Entziehen von Wasser wird der Reis "straßenfähig". Der Anbau von Reis ist sehr ergiebig: Reis kann viermal so viele Menschen pro bewirtschafteten Hektar ernähren als es z.B. mit Weizenanbau möglich wäre.

Die Reiskultivierung erstreckt sich über viele Monate, ein Bauer alleine könnte sich die Bewirtschaftung der Felder nicht leisten. Somit organisieren sich mehrere Bauern in Kollektiven.

Vietnam ist der drittgrößte Reisexporteur der Welt.

- Rentensystem Vietnam: Das vietnamesische Rentensystem ähnelt dem Deutschen: Die jetzige arbeitende Bevölkerung finanziert die Rente der jetzigen Rentner. Dieses System gibt es aber hier erst seit 1990. Wenn das System so weiterläuft wie bis jetzt, sind die Rentenkassen bis ca. 2035 allerdings erschöpft.

 

Egal, was uns bzgl. Vietnam interessiert, wird gegoogelt. Zudem suchen wir ebenfalls unsere nächsten Hotels und Verbindungen über das Internet. Unser Anbieter heißt Vinaphone.


Abends geht es nochmal in das Restaurant Claypot. Wir entscheiden uns diesmal bewusst für "nur" acht Sommerrollen und ein Cao Lau. Die Sommerrollen sind aber schon so sättigend, dass wir mit dem Cao Lau kämpfen.


Wir sind eindeutig verliebt in die vietnamesische Küche♥️ und schon gespannt, was die weitere Reise kulinarisch bringen wird.


Morgen geht es nach Quy Nhon bzw. noch weiter zu einem dort abseits gelegenen Strand. Die Unterkunft schreibt als Vorwarnung: eingeschränkte Elektrizität, "nur" 3G Internet und Mosquitonetz in den Zimmern. Langsam wird es endlich abgelegen. Nach dem Luxus, den wir bis jetzt hatten, sowohl Herausforderung als auch Abwechslung zugleich. Fünf Stunden wird der Minivan dorthin brauchen. Aufgegabelt werden wir morgen um elf Uhr. Es bleibt aufregend.

13. Tag

Tag 13 hatte es in sich: Wir haben dem wunderschönen Hoi An den Rücken gekehrt und fahren weiter nach Quy Nhon. Um elf Uhr sollen wir im Hotel abgeholt werden. Um kurz vor zwölf ist der Minivan dann da. Unser Backpacks werden unter den Sitzen verstaut, sodass sie unter der hintersten Sitzreihe hervorragen.

Hupend brettert der Fahrer die Strecke in fünf Stunden inkl. Aufgabelung einiger Leute und Pinkelpause nach Quy Nhon runter. Überholt wird trotz Gegenverkehr - ich bin fast gestorben. Der Beifahrer des Minivans lacht mich, glaube ich, etwas aus. Irgendwann begann es im Bus etwas säuerlich zu riechen. Wir schauten nach unseren Backpacks: Dem Kind hinter uns war schlecht geworden. Es musste sich übergeben. Ein Teil landete auf unseren Backpacks. Ich war einerseits richtig wütend, andererseits: was hätten wir tun sollen? Passiert war es ja eh schon. Ich hatte noch einige Desinfektionstücher übrig und wischte die Rucksäcke damit ab. Ätzend.

Aber hieran merke ich auch, dass sich der Urlaub schon gelohnt hat: Ich bin wieder entspannter - wie man an dieser Situation merkt.

Von Quy Nhon nehmen wir uns ein Taxi zur Unterkunft "Life's a Beach". Wir beziehen gleich unsere spatanisch eingerichtete Bambushütte und sehen uns um: Es ist schön hier. Das Hostel ist in einer Bucht in den Hang gebaut. Es gibt zwar nur Gemeinschaftsduschen und Toiletten, aber für zwei Nächte ist das in Ordnung. Unser Bett ist zum Glück von einem Mosquitonetz umhüllt. Da haben die Blutsauger hoffentlich keine Chance.

Da wir erst gegen halb sechs in der Unterkunft ankommen und sehr hungrig sind, gibt es gleich Abendessen. Aus den anfangs zwei Bierchen wird ein lustiger Abend mit anderen Backpackern: westliche Musik, Spiele und etwas Getanze. Gegen 23 Uhr fallen wir dann erschöpft ins Bett. 

14. Tag

Zwar ist das Meeresrauschen nachts wirklich gemütlich, wenn man davon aber immer wieder aufwacht, weil man es in Deutschland einfach nicht gewohnt ist, ist das nervig. Wir wachen wieder - wie immer - gegen acht Uhr auf.

Noch im Aufwachprozess buchen wir die nächste Unterkunft. Wir haben jetzt beschlossen, nochmal ein Stückchen zurückzufahren (nur zehn Kilometer). Der neue Plan sieht vor, dass wir von Quy Nhon bis nach Nha Trang fahren und dort runter nach Saigon fliegen. Somit ist es noch entspannt und wir haben keinen "Travel-Stress". Immerhin haben wir nur noch eine Woche.

Heute sah es zuerst nach etwas Langeweile aus: Der Strand ist hier eine Minibucht, die Sonne hat richtig runtergeknallt und es gibt keinen Schatten. Somit hatte sich das "beachen" schnell erledigt. Wir "knallen" uns also in die Hängematten und "sind" einfach nur.

Irgendwann spricht mich Karina, eine andere Travellerin an, ob wir auch mitfahren zur Insel. Nach unserem kleinen Gespräch schon :-) Für ca. vier Dollar geht es nachmittags mit dem Fischerbötchen mit vier anderen Backpackern zu einer kleinen Insel. Wir können schnorcheln, schwimmen oder einfach nur auf dem Boot relaxen. Wir sind am Start!

Wir sind sehr froh, einen Drybag zu besitzen: Schon der Aufstieg verlangt uns einiges ab. Aufs Boot kommen wir nur, wenn wir durch das Wasser gehen - bis zur Brust steht es uns. Der "fisher man" ist ein junger Vietnamese, sehr hilfsbereit und bemüht. Er fährt mit uns zu der besagten Insel und lässt uns eine Runde schwimmen und schnorcheln. Leider ist die Unterwasserwelt nicht vorhanden: Kaum Fische und viele abgestorbene Korallen. Es geht weiter auf eine Umrundung der Insel per Boot. Dann macht sich der "fish man" daran, für uns Jakobsmuscheln zu tauchen. Die Konstruktion, die er sich dabei gebaut hat, lässt mich stocken: Es gibt einen ca. 100 Meter langen, dünnen Schlauch, der mit Sauerstoff durchströmt wird. Er schnallt sich Gewichte um die Hüfte und springt ins Wasser. Er TAUCHT! Sehe gefährlich aus, sagt uns Clancey, ebenfalls Traveller, aus Alaska, der lange Zeit im Fischfang tätig war.

Ich atme gefühlt erst wieder aus, als der "fisher man" nach ca. 20 Minuten zurückkehrt. Leider hat er keine Jakobsmuscheln gefangen, dafür bringt er andere Muscheln mit.

Ich habe irgendwie Mitleid mit ihm: Er ist sehr bemüht, aber wir sind von der Tour etwas enttäuscht und strahlen das auch aus. Wir sind von den Philippinen eine farbenfrohe Unterwasserwelt gewohnt und das gibt es hier halt nicht.

Gegen halb fünf geht es wieder zurück in unsere Bucht. So geht ein Tag rum. Wir sind geplättet, aber glücklich.

Langsam merke ich, dass ich mich auf Zuhause freue. Zwei Wochen sind vergangen. Ein gutes Zeichen: Das bedeutet ja, dass ich "ausgeurlaubt" bin :-)