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Selbstbild – Fremdbild – Wunschbild….

1. Selbstbild – Wie sehe ich mich?

Überlege dir hierbei, was du gut an dir findest. Hier liegt die Gefahr darin, dass man schnell in die Negativspirale kommt und nur noch Schlechtes an sich findet. Gerade wir Frauen neigen hierbei eher zum „Runterbuttern“ als zur Selbstverliebtheit. Zweites könnte ja arrogant wirken.

Beim Selbstbild geht es nicht nur um äußere Merkmale, gerade die inneren Werte sind nicht zu vergessen. Seid mutig und schreibt euch mal auf, was ihr an euch toll findet. Seid ihr besonders einfühlsam? Habt ihr schöne filigrane Finger? Seid ihr humorvoll? Usw. Ich habe überlegt, ob ich eine Checkliste oder Ideensammlung an der Stelle anhängen soll, bin aber zu dem Entschluss gekommen, dass ich niemandem etwas in den Mund legen möchte. Geht in euch und nehmt euch genügend Zeit dafür – auch über mehrere Tage oder Wochen. Konzentriert euch bei den Antworten nur auf euch und eure Einschätzung. Die Ansichten der anderen beschreiben nämlich dann schon das Fremdbild.

 

2. Fremdbild – Wie sehen die anderen mich?

Wie sehen mich die anderen? Bitte hierbei deine Freunde und deine Familie, dir pro Person drei Worte zu nennen, die sie mit dir assoziieren. Es können Substantive oder Adjektive sein. Gib den Leuten aber bitte auch genug Zeit. Beeinflusse sie dabei nicht mit Vorschlägen und setze sie nicht unter Zeitdruck. Die meisten Menschen werden mit positiv besetzten Assoziationen antworten. Aber auch konstruktive Kritik kann kommen. Stelle dich mental darauf ein.

 

Im Idealfall decken sich Selbst- und Fremdbild. Das kommt aber so gut wie nie vor – zumindest nicht zu 100%.

Bist du positiv überrascht von den Beschreibungen von Freunden und Familie? Guck, du bist gar nicht so übel wie du dachtest. Bekomme jetzt aber keinen Überflieger.

Klar, jeder hat sein Ideal von sich im Kopf, von dem er aber oftmals glaubt, weit entfernt zu sein. Hierbei handelt es sich um das Wunschbild.

 

3. Wunschbild – wie würde ich gerne von anderen gesehen werden?

Wir lassen uns leider zu oft von der Meinung anderer aus dem Konzept bringen. Dabei sollten wir doch uns selbst und nicht die anderen verwirklichen. Sei es, dass die Eltern einen überreden, doch erst zu studieren oder eine Ausbildung zu machen, damit man etwas vorzuweisen hat – statt die Weltreise zu machen oder mal ein bisschen zu jobben, um zu gucken, was man eigentlich will. Sich hier zu „wiedersetzen“ kann ganz schön anstrengend sein. Die Eltern wollen ja nur das Beste, warum sollte ich jetzt etwas anderes tun?

Vielleicht wünscht du dir an dieser Stelle, sie würden dich grundsätzlich anders sehen: Als selbstständigen, mündigen Menschen, der weiß, worauf er sich einlässt – natürlich solltest du das dann auch wirklich sein.

Wie würde ich gerne von meinem übrigen Umfeld gesehen werden: von meinen Freunden, Kollegen, meinem Partner etc.?

Will ich nur, dass sie mich so sehen oder bin ich das auch wirklich?

Bei mir war es lange Zeit die selbstbewusste, souveräne, mutige Frau, die alles schafft, die von jedem gemocht wird, die jeder gerne zur besten Freundin hätte. Die um ihre Figur und ihr Leben ein wenig beneidet wird, weil es so perfekt ist. Die man um Rat fragt, wenn man nicht weiterweiß. Deren Blog man liest, weil er so mega spannend ist 😉 Die viele Likes auf Instagram oder Facebook bekommt. Die neue Standards setzt, neue (richtigere) Wege geht.

 

Aber wisst ihr was? Sein und Schein liegen oft so nah beieinander. Ich will gar nicht so GESEHEN werden. Ich will so SEIN – egal, was andere sagen, meinen oder denken. Wie heißt es so schön? "None of their business." Ich möchte mit MIR im Reinen sein und nicht mit den anderen. Was bringt es mir, wenn mich alle mögen, wenn ich aber dadurch nicht meine Meinung äußern und leben kann? Sicher bin ich immer noch konfliktscheu, aber nicht mehr so harmoniesüchtig wie früher, als ich jedem gefallen wollte. Ich erinnere mich hierbei an eine Situation im Kindergarten, als mich jemand geärgert und bloßgestellt hat. Meine Antwort war damals: „Okay, du hast Recht, können wir jetzt Freunde sein?“ Sei dahingestellt, ob das mehr als pazifistisch oder konfliktscheu zu bezeichnen ist. Heute gehe ich diesen Menschen einfach aus dem Weg. Damit kann ich gut leben.

 

4. Instagram

Sein und Schein sind hier gute Bezeichnungen für die Instagram-Welt: Natürlich lade ich von den 20 geschossenen Selfies nur das eine perfekt geschminkte mit drei Filtern hoch und schreibe darunter „Guten Morgen, gerade aufgestanden. Seht ihr morgens auch so verknittert aus? #faltigammorgen“ Vielleicht fühle ich mich beim Anblick dieses hochgeladenen Fotos auch nicht so wunderschön, aber es sieht besser aus, als ich tatsächlich morgens aussehe.

Jeder, der sich gerne für Instagram oder andere soziale Medien ablichten lässt, hat diesen einen Blick, diese eine Pose und diesen einen Winkel. Bei mir ist es der „nettes Mädchen“-Blick, die „Bauch rein, Hüfte leicht eingeknickt, Busen raus“-Pose und der „Von-oben-Winkel“, aber nur hochkant bitte. #instagramhusbandlässtgrüßen

Das Schlimme ist: Auf allen anderen Bildern, die nicht so sind, finde ich mich hässlich, fett und unattraktiv. DAS IST FALSCH! Auch ich bin noch in der Selbstbild-Wunschbild-Spirale gefangen und kann nicht behaupten, dass ich da jemals wieder rauskomme.

 

Fragt euch mal selber, wie das bei euch ist. Seid ihr so zufrieden? Macht euch das glücklich? Geht es auch anders? Besser?

 

 

Ich glaube, es ist mal wieder Zeit für eine Fremdbildumfrage in meinem Umfeld. Ich lasse euch wissen, wie es ausgegangen ist.