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Wie ich esse & warum

Ob der Titel „Ernährung“ hier so passt, will mal dahingestellt sein. Ich möchte in diesem Bereich gerne über folgende Themen schreiben:

  •  Ernährungsweisen
  •  Essstörungen
  • Rezepte

 

Das mag vielleicht für viele (gesunde) Menschen eine willkürliche Aufzählung sein – für mich ist sie das nicht.

Gerne erkläre ich den Hintergrund:

Schon immer hat Ernährung eine große Rolle in meinem Leben gespielt, sei es positiv oder negativ besetzt:

Seit ich 15 bin, mache ich immer irgendwelche Diäten? Und warum? Nicht, weil ich dick bin/war, sondern weil ich ein falsches Bild von mir habe. Ich glaube, es fing damit an, dass mir eine Freundin in der Schule erzählte: „Du, die XY hat gemeint, du könntest auch schlanker sein.“ BUMM! Sie findet mich fett. Ich bin fett. Ich muss mich ändern. So akzeptiert mich die Gesellschaft nicht. Das war meine Denkkette.

 

Ich verfiel ca. ein halbes bis dreiviertel Jahr lang in eine Form der Bulimie und Magersucht. Wenig bis gar nichts essen, alles tracken, Fressanfälle durch Erbrechen „ausgleichen“. Dadurch war ich weder besonders dünn, noch dürr. Ich verlor sieben Kilo, aber auch meine gute Laune. Schließlich befreite ich mich selbst aus diesem Teufelskreis. Anlass dazu war auch mein damaliger Freund, der davon nichts wusste, aber meinte: „Sowas ist so eklig. Das geht gar nicht.“ Ich konnte damit aufhören. Mein Gewicht ging minimal nach oben.

 

Als ich mit 19 Jahren für ein halbes Jahr ins Ausland ging, suchte ich Sicherheit im Essen: Neues Land, neue Sprache, neue Menschen (die mich teilweise nicht verstanden). Ich nahm zu. Wie viel, weiß ich nicht. Ich wog mich nicht. Zurück daheim nahm ich auf gesunde Weise wieder ab. Wie viel, weiß ich auch nicht, aber ich passte wieder in meine „alten“ Klamotten.

Mit 22 zog ich in meine erste eigene Wohnung. Es war Luxus pur. Ich musste auf niemanden Rücksicht nehmen. Es nahm aber auch niemand auf mich Rücksicht oder achtete darauf, was ich aß. Schwupsdiwups war ich ein kleiner Pummel. Nach einer erneuten simplen Ernährungsumstellung (FDH, keine zwei Rosinensemmeln zwischen Frühstück und Mittag, keinen Latte Macchiato am Morgen) nahm ich wieder ab. Mit diesem Gewicht lernte ich 2013 meinen heutigen Traummann kennen: Robin.

Mit ihm kam auch die Lust für den Sport. Wir gingen zusammen ins Fitnessstudio, tranken zusammen danach Eiweißshakes und motivierten uns mit gegenseitigen Komplimenten. Die Phase gab es mal intensiver, mal weniger intensiv.

Immer begleitet wurde und wird unsere Beziehung von meinen Fressattacken, die ich möglichst heimlich durch Erbrechen zu kompensieren versuchte. Zwar nicht regelmäßig, aber dennoch mäßig. Irgendwann erzählte ich ihm davon. Er fragte, wie er mir helfen könnte. Ich wusste keine Antwort. Meine Mutter empfahl mir professionelle Hilfe. Dort ging ich genau einmal hin, kotzte mich (verbal) so richtig aus, weinte und fühlte mich geheilt. Danach war mir klar, dass einfach das Sprechen darüber schon sehr viel half. Ich ging nie wieder dorthin.

 

Die letzten fünf Jahre waren ein Auf und Ab von Gewicht, Motivation, Zufriedenheit, Unzufriedenheit, Erbrechen, Völlerei usw. Es gibt gute und schlechte Zeiten. Im Winter ist es schlimmer, im Frühling ist es besser.

Seit fast einem Jahr probiere ich es nun mit Kraftsport. Muskeln aufbauen, die mehr Kalorien verbrennen. Dann kann ich auch mehr essen. Aber: Ich bin ein Mensch von Extremen. Ich esse nicht, ich fresse. Beim Training gibt es nur ganz oder gar nicht. Wenn ich meine vier Einheiten pro Woche nicht schaffe, fühle ich mich schlecht. Habe ich versagt. Dann ist es eh schon egal, dann kann ich gleich noch alles in mich reinfressen.

NEIN, STOP!

Immer wieder gelingt es mir, die Notbremse zu ziehen. Ich weiß nicht, wie.

 

Aber Essstörung und Kochen schließen sich ja nicht aus: Zu meinen Hobbies gehören eindeutig Kochen, Backen und neue Lebensmittel ausprobieren. Ich bin oft selbst kreativ und spinne mir Rezepte zusammen. Ging natürlich auch schon oft schief. Sehr erleuchtend war der Moment, als ich merkte, dass man durch Mondamin alleine keine Sauce herstellen kann.

 

 

 

Seit fünf Jahren lese ich mich quer durch die Ernährungsliteratur in Deutschland: low carb, high fat, Paleo, FDH, viel Protein, Shredden usw. In der Theorie bin ich eine Eins, in der Praxis eine Null. Wenn Freunde mir erzählen, sie machen jetzt low carb, muss ich meine „Lehrstunde“ runterschlucken. Wo soll ich denn anfangen? Bei meiner Essstörung? Bei dem menschlichen Körper und seinem „Treibstoff“? Keine Ahnung, vielleicht verweise ich künftig auf diesen Blog.

Aktuell ernähre ich mich kunterbunt, aber leider nicht gesund. Ich stopfe wieder. Auch low-carb-Muffins werden ab dem Dritten ungesund. ICH WEISS ES DOCH!

 

 

Ich bin nun schon 28 Jahre alt, aber keinen Deut schlauer geworden, was meine eigene Ernährung betrifft. Ich halte nichts von den ganzen einseitigen Ernährungstrends, ich halte viel von Balance und Ausgewogenheit. Leider habe ich die in meinem Leben noch nicht gefunden. Aber ich bin dran. Irgendwann habe ich den Dreh raus, wie ich im Gleichgewicht bleibe. Vielleicht hilft mir OUT OF LIVE dabei.