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Hot Yoga - Erfahrungsbericht

Nach einem fetten Sommer und einer Pilgerreise voller Wein und Zigaretten, merke ich, dass ich echt eingerostet bin. Ich fühle mich physisch total unflexibel, habe einen Gleichgewichtssinn wie ein rohes Ei und auch das Hüftgold ist mit Highwaist-Hosen langsam nicht mehr zu kaschieren. Es hilft alles nichts. Ich muss mein Sportprogramm wieder hochfahren. Was gibt es denn da an Möglichkeiten im Werksviertel, die ich schnell nach der Arbeit erreichen kann?

 

Kurz nachgedacht und … Tataaaaa: Die Yoga Station unter der Medienbrücke!

 

 

Die bietet kein normales Yoga, sondern Hot Yoga bei 32 bis 37 Grad. Das klingt wirklich heiß, ist aber dank des aktuellen Siff-Wetters auch eine irgendwie wollig-warme Vorstellung. Von der Atelierstraße aus sind es vielleicht drei Minuten zu Fuß bis zur Yoga Station. Die ist von außen recht unscheinbar. Fast wäre ich daran vorbeigelaufen.

 

Betritt man das Studio, soll man gleich seine Jacken, Mäntel, Mützen, Schals und Schuhe ausziehen. Die stehen kreuz und quer am Eingang. Es sieht aus wie in einer Kindergarten-Garderobe. Wie sympathisch. Man will auch gleich raus aus den dicken Klamotten, denn schon am Eingang umfängt einen die Wärme des Studios. Durch eine Glasscheibe und eine Glastür sieht man in einen Empfangsbereich. Dort sollte man sich melden, damit man im System erfasst wird. Das tue ich auch und bezahle auch gleich eine 10er Karte, die drei Monate lang gültig ist. Dann geht es für mich rechts in die Damen-Umkleide. Die ist klein, aber fein: Bänke und Haken, ein großer Spiegel und im Nebenraum eine Dusche. Spinde gibt es keine. Vertrauen wird in der Yoga Station groß geschrieben.

 

Alle sind freundlich und strahlen einen an. Jeder grüßt. Schwups, schnell in die Yoga-Klamotten geworfen, also Tights und Oberteil – nix Spezielles, und Haare zusammengeknotet. Mein motivierter Blick in den Spiegel sagt dem Rost an meinem Körper den Kampf an.

 

Los geht die Stunde um 18 Uhr. Ich habe also noch 10 Minuten, in denen ich mir einen Bachblütentee gönne. Der wird zusammen mit Wasser vor dem Kursraum kostenlos bereitgestellt. Der Tee erinnert mich an früher. Ich wusste bis vor kurzem nicht woher. Jetzt weiß ich es: Der Tee wird Kindern gegeben, um Fieber zu fördern, um so die Viren abzutöten. Ha! Die wollen mich hier wirklich zum Schwitzen bringen.

 

Viele Teilnehmer sitzen noch bis kurz vor Kursbeginn beim Tee – natürlich nachdem sie ihren Platz im Kursraum belegt haben. Die Anfänger belegen meist die hinteren Reihen, während es sich die Pro‘s auf den vorderen Plätzen gemütlich machen. Das Prinzip hat nichts mit Schüchternheit oder Angeberei zu tun, sondern einen vernünftigen Grund. Der Yoga-Raum ist mit zwei Spiegelseiten ausgestattet. Die längere dieser beiden Seiten ist vorne. Dort schauen alle Kursteilnehmer auch hin, um ihre Position zu überprüfen. Steht jedoch nun ausgerechnet in der ersten Reihe ein Gleichgewichtskasperl wie ich, der alle paar Minuten umfällt, bringt das eine gewisse, wenn auch ungewollte Unruhe in die Stunde. Das soll mit der Sortierung „Profis vorne, Anfänger hinten“ vermieden werden.

 

 

Ich wähle einen Platz in der linken hinteren Ecke. Schaut gemütlich und unauffällig aus. Equipment braucht man außer einem großen Handtuch und einer Yogamatte keines. Beides kann man auch ausleihen. Die Stunde beginnt. Wir sind 17 Leute plus die Lehrerin. Die Teilnehmer sind wunderbar verschieden: weiblich, männlich, jung, alt, dünn, dick, groß, klein, flexibel, unflexibel – aber alle sind sie mit Ernst bei der Sache. Nur bei den lauten Atemübungen lachen wir. Wer wissen will, wie die sich anfühlen, bitte folgendes jetzt nachmachen: Mund auf, mit jedem Ausatmen die Zunge weit rausstrecken und ein lautes Geräusch wie beim Anhauchen machen. Variante zwei: Luft durch die leicht geschlossenen Lippen blasen, als wäre man erschöpft. Ich erinnere mich plötzlich, dass ich das als Kind andauernd gemacht habe. Herrlich!

Am Anfang der Stunde sagt die Lehrerin ein paar spirituelle Worte, aber nicht abgedreht spirituell, sondern nett spirituell. Wir sollen die Stunde einem größeren Sinn widmen. Mir reicht mein praktischer Sinn (Rost abschütteln) vollkommen aus.

 

Schon nach der Aufwärmphase, die ich für den Hauptteil halte, schwitze ich wie ein Schweinchen. Dabei verknote ich mich doch nur ein bisschen und atme bewusst. Aber es sind nun mal ungewohnte 32 Grad Raumtemperatur. Teilweise bin ich fitter als gedacht. Teilweise bekomme ich aber die einfachsten Übungen nicht hin. Die Übungen eigenen sich für alle Level:

 

Für die Anfänger wie mich gibt es Grundübungen, für Fortgeschrittene eine Variante A und für Profis eine Variante B. Die Pro’s kommen mir vor wie echte Mutanten. Wahnsinn, was die alles machen können.

 

Die letzten zehn Minuten liegen wir nur da und lauschen unserem Atem und der Musik. Es ist sooooo unendlich gemütlich. Ich will nie wieder aufstehen. Bis: Hey, schnarcht der neben mir?

 

Nach 90 Minuten ist die Stunde vorbei. Eilig verlassen alle den Kursraum, um schnell zu duschen. Ich nicht, ich mach das daheim. Ich bin eh viel zu entspannt, als dass ich mir jetzt noch den Duschstress gebe. Ich bin sogar so entspannt, dass ich gleich auch noch meine Jeansjacke vergesse. Doof, aber zum Glück ist die Yoga Station ja nur drei Minuten vom Büro in der Atelierstraße entfernt. Am nächsten Tag habe ich die Jacke wieder.

 

 

 

Am Empfang werde ich gefragt, wie mir die Stunde gefallen habe. „Besser als erwartet.“ Stolz verschwitzt und mit in alle Richtungen abstehenden Teufelshaaren strahle ich der Dame entgegen. Ich fühle mich erleichtert. Und zwar nicht nur, weil ich die Stunde geschafft habe, sondern auch körperlich. Nach der Stunde, so empfahl es die Trainerin, soll man besonders viel Wasser trinken. Ich gönne mir lieber einen Kokos-Drink. Der schmeckt richtig gut und füllt meine Elektrolyte wieder auf. Mission „Entrostung“ erfolgreich gestartet, denke ich mir auf dem Heimweg. Sogar das kalte Wetter fühlt sich nicht mehr so eklig an.

Auf einen Blick:

  • Was kostet es? Wer Lust hat, die Yoga Station auszuprobieren, kann das mit einer Probe-Card machen: die kostet 20 € für 10 Tage am Stück. Ansonsten gibt es verschiedene Abo-Optionen. Die Kurse werden täglich vormittags und abends angeboten. Es gibt verschiedene Lehrer.
  • Welche Kurse werden angeboten? Klassisches Bikram Yoga, Power Yoga, Cross Yoga speziell für Sportler und und und … Einfach auf der Website auf den Kursplan schauen. Zu den Stunden kann man sich online anmelden, muss man aber nicht. Wer zum ersten Mal dabei ist, sollte 20 Minuten vor Kursbeginn in der Yoga Station auftauchen, damit man in Ruhe alle Formalitäten klären kann.
  • Warum sollte ich es ausprobieren? Weil ihr noch nie in eurem Leben so geschwitzt habt. Das ist echt eine Erfahrung wert. Außerdem ist Hot Yoga eine wunderbare, regenerierende und entspannende Ergänzung zu anderen Sportarten.
  • Was brauche ich? Zwei große Handtücher (Kann man auch ausleihen). Eines braucht man für die Matte, eines zum Duschen. Leichte Sportkleidung. Auf weiße Klamotten solltest du verzichten. Die sind nach 10 Minuten durchgeschwitzt und du stehst da wie nackig.
  • Weitere Infos unter http://dieyogastation.de/